Transgressionen. Energetisierung von Körper und Szene: Das Spiel mit Kräften
Studien zu Choreographie als szenische Kunst der Transgression  | DFG-Forschungsprojekt (August 2015 - Juli 2018)

Boom Bodies © Sabine Burger
>Boom Bodies © Sabine Burger


Das transdisziplinär zwischen Tanz- und Theaterwissenschaft angelegte Forschungsprojekt widmet sich der Frage, wie choreographierte Körper über Bewegungen, Blicke und räumliche Beziehungen Prozesse der Aktivierung von Energie anzetteln und bewirken. Ihren Darstellungen ist ein spezifisches Spiel mit Kräften eigen. Erkennbar sind ästhetische Strategien einer Energetisierung von Körper und Szene, die analytisch und historisch untersucht werden, um ihre Wahrnehmungspolitiken aufzudecken. 

Im Mittelpunkt stehen Fragen zu der ästhetischen und kulturellen Potentialität und Funktion choreographierter Körper, Transgressionen im Spiel mit ge- und verborgenen Kräften zu schaffen. 

Der Gegenstandsbereich der Studie umfasst  moderne und zeitgenössische Bewegungs- und Körpertheorien, Tanztechniken und choreographische Praktiken, wie sie im Bühnentanz, der Performance und Installationen angewandt werden. Untersucht werden zentrale künstlerische Positionen und Verfahren des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit Entgrenzungsphänomenen und Extensionen des Körperlichen auseinandergesetzt und bewegungsästhetisch, szenisch-choreographisch oder theoretisch mit aisthetischen Zugängen zu Kräften gearbeitet haben. Historiographisch legt die Forschung drei Schnitte [1920-40er Jahre, 1980er Jahre, Beginn des 21. Jahrhunderts]: Rudolf von Labans Effort-Theorie; Tanz und Choreographie in den 1980er Jahren (LaLaLaHuman Steps; Wim Vandekeybus/Ultima Vez); Choreographien des Installativen im Zeitgenössischen Tanz (William Forsythe/Trisha Brown) sowie die Arbeiten der zeitgenössischen Choreographen Laurent Chétouane und An Kaler. Welche wahrnehmungsästhetischen Funktionen, Potentiale und Versprechungen übernehmen choreographierte Körper? Wie werden Prozesse der Energetisierung und Transgression theatral eingesetzt und welche kulturellen Funktionen kommen ihnen zu? 

Das Ziel ist, die angelegten Wahrnehmungspolitiken choreographierter Körper kenntlich zu machen und kulturwissenschaftlich als Modelle einer Transkorporalität zu reflektierten. Fachübergreifend als ästhetische Studie der Theater- und Tanzwissenschaft mit kulturwissenschaftlicher Fragestellung konzipiert, projektiert die Forschung einen transdisziplinären Begriff des Choreographischen, mit dem die transformierenden Anordnungen und Dispositionen von Körpern in ihren Funktionen und Potentialen der Energetisierung in den Blick geraten. 

Mittels Aufführungs- und Bewegungsanalysen, Probenbesuchen, Videosichtung und Recherchen in einschlägigen Archiven soll ein tanz- und theaterwissenschaftliches Analysemodell von Bewegen, Wahrnehmen und Darstellen ausgearbeitet werden. Arbeitsschritte, Materialien wie Ergebnisse der Studie werden auf einer Website präsentiert. Begleitet wird die Forschung durch öffentliche Workshops am HZT und einem internationalen Symposium.

 


Projektleitung: PD Dr. Sabine Huschka, Universität der Künste Berlin, s.huschka@hzt-berlin.de

Studentische Mitarbeiterin des Projekts am HZT/Universität der Künste: Josefine Mühle